Inhalt - Geschichte

1926 - 1932, Gründungsjahre

Als die Stadtbehörden im Jahre 1926 bekannt gaben, dass im darauf­folgenden Jahr an der Irchelstrasse ein neues Tramdepot erstellt wer­den sollte, befassten sich einige Tram­ange­stellte mit dem Gedanken, eine eigene Baugenossenschaft zu gründen, um der da­mals herrschen­den Wohnungsnot zu begegnen und für rund hundert Strassenbahner­fami­lien arbeitsplatznahe Wohnungen zu beschaffen.  Schnell war man sich einig und am 15.  De­zember 1926 fand bereits die Gründungs­versammlung statt. (Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Chauffeure; die erste städtische Buslinie wurde erst am 8. August 1927 eröffnet.) 

Die erste Wohnkolonie entstand am Grebelacker. Die noch sehr landwirtschaftliche Ge­gend im Einschnitt zwischen Zürichberg und Waidberg versprach ideales, ruhiges Wohnen und einen kurzen Arbeitsweg.  Die Bauart und die für die damaligen Verhältnisse neuzeit­lichen Inneneinrichtungen sowie ein vorteilhafter Mietzins be­wirkten, dass die 134 Woh­nungen sofort vermietet werden konnten. 

Unmittelbar nach Fertigstellung dieser ersten Wohnkolonie wurde der Wunsch geäussert, auch in der Nähe anderer Strassenbahndepots Wohnungen zu errichten.  Schon im Jahre 1929 beschloss die General­versammlung, diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.  Je ein Projekt in Oerlikon mit 36 Wohnungen und im Entlisberg mit 105 Wohnungen wurde gutgeheissen.  Die Wohnkolonie in Oerlikon konnte programm­gemäss erstellt werden.  Das Vorhaben in Wollishofen stiess dagegen auf einige Schwierigkeiten finanzieller Art, da die Stadt Zürich nicht für die ganze Überbauung Subventionen zugestehen wollte.  Eine aus­serordentliche Generalversammlung hatte sich deshalb Ende Novem­ber 1929 mit ei­nem Wiedererwägungsantrag zu befassen.  Die risiko­freudigen Mitglieder stimmten jedoch der Ausführung mit überwälti­gender Mehrheit zu.  Auch diese Wohnungen erhielten einen für diese Zeit neuzeitlichen Komfort, wobei ein Badezimmer für jede Wohnung eine Selbstver­ständlichkeit war.  Alle Mieter freuten sich aber ganz besonders über die Zentral­heizung. 

Die Entwicklung war nicht aufzuhalten.  Angestellte des Depots Burgwies forderten eben­falls die Erstellung von «eigenen» Wohnungen und im Kreis 4 zeigte das Personal des De­pots Kalkbreite grosses Interesse.  So wurde der Bau der Kolonien Hohlstrasse und Burgwies beschlossen.  Die vier Häuser in der Burg­wies mit 38 Wohnungen konnten im Frühjahr 1932 planmässig be­zogen werden, wogegen sich dem Bau der Kolonie Hohl­strasse von behördlicher Seite plötzlich Schwierigkeiten in den Weg stellten.

1933 - 1938, Wirtschaftskrise

Das Jahr 1933 war durch einen wirtschaftlichen Tiefstand gekenn­zeichnet, der sich auch auf unsere Genossenschaft immer nachteiliger auswirkte.  Bedrängte arbeitslose Genos­senschafter erhielten Unterstützung, indem sie in unserer Baugenossenschaft beschäftigt werden konnten.  Der Mietzinsausfall pro 1933 betrug bereits Fr. 7’345.-- und steigerte sich in den darauffolgenden Jahren rapid.  GIücklicherweise wurde auf den 1. Januar 1934 der Zinsfuss für erste Hypotheken ge­senkt, was ermöglichte, auch die Metzinse zu reduzieren. 

Mitten in dieser schweren Zeit wurde das 10jährige Bestehen gefeiert.  Die Genossen­schaft umfasste nach diesem kurzen Zeitraum 61 Häuser mit 369 Wohnungen, drei Schul- und zwei Ladenlokale.  Ende 1936 waren aber immer noch viele Wohnungen leer, für Vermie­tungen wurden Prämien ausgesetzt.  Später, als zur grossen Enttäuschung des Vor­standes auch zahlreiche Strassenbahner ihre Wohnungen kündigten, um in städtische Wohnsied­lungen umzuziehen, die im Mietzins etwas vorteilhafter waren, dafür aber weni­ger Komfort aufwiesen, beschloss der Vorstand unter anderem, 3-Zimmer-Wohnungen zum Preise von 2-Zimmer-Wohnungen und sinngemäss auch die anderen leerstehen­den Wohnungstypen verbilligt abzugeben. 

1939 - 1945, Kriegsjahre

Der Ausbruch des Krieges machte sich auch in unserer Genossen­schaft nachteilig be­merkbar.  In unmittelbarer Nähe der Häuser im Entlisberg wurden Tanksperren und Bun­ker errichtet.  Sämtliche Häu­ser mussten mit den vorgeschriebenen Luftschutzgeräten und -ein­richtungen versehen werden.  Da der Stadtrat im Jahre 1941 einen Kredit von Fr. 900’000.-- für eine Elektroherdaktion zur Verfügung stellte, wurde auch die Frage des elekt­rischen Kochens anstatt wie bisher mit Gas zur Diskussion gestellt.  Eine ausserordentli­che General­versammlung 1941 fasste diesbezüglich einen fortschrittlichen Be­schluss: je­der Genossenschafter, der die Hälfte seines Genossenschafts­anteils - das waren damals Fr. 500.-- eingezahlt hatte, erhielt einen Elektroherd, desgleichen alle Mieter, die ein Elektro­herdanleihen von Fr. 300.--, das sie später als Genossenschaftsanteil verwenden konnten, auf drei Jahre zinslos zeichneten.  

Nicht vergessen sei der Bomben­abwurf am Sonntagmorgen, 4. März 1945, an der Froh­burgstrasse, der in unseren nahe gelegenen Kolonien Oerlikon und Guggach we­sentliche Schäden verursachte.

 

1945 - 1952, Nachkriegsjahre

Wie schnell sich die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt kurz nach Ende des Krieges änderten, geht aus den Berichten dieser Jahre hervor.  Noch im Frühling 1942 herrschte ein Überangebot an Woh­nungen und bereits zwei Jahre später zog schon das Gespenst einer neuen Wohnungsnot herauf.  So war es deshalb nicht verwunderlich, dass sich unter der Mitgliedschaft und im Vorstand Stimmen bemerk­bar machten, dass weitere Wohnun­gen erstellt werden sollten, um so mehr, als in unmittelbarer Nähe von bereits bestehen­den Kolonien noch Land zur Verfügung stand.  

Die Kolonie Hohlstrasse wurde noch kurz vor Kriegsende erweitert und sofort vermietet.  In der Burgwies entstanden an der Forchstrasse etwas oberhalb des Hegibachplatzes zwei Häuser mit insgesamt 22 Wohnungen.  Probleme gab es in diesen Jahren immer mehr mit den erneuerungsbedürftigen Gasbadeöfen, besonders in den zuerst erbauten Kolonien Guggach, Oerlikon und Entlisberg.  Es dauerte aber noch bis 1952, bis diese Ko­lonien die zentrale Warmwasserversorgung erhielten und gleichzeitig die Gele­genheit wahrgenommen wurde, die Badewannen einzuplätteln.

1958 - 1965, Weitere Expansion

1958 erteilte der Gemeinderat der Stadt Zürich einen Kredit für den Bau einer städtischen Wohnkolonie mit total 274 Wohnungen am Luggweg/Rautistrasse in Altstetten.  Nach­dem die Verkehrsbetriebe schon damals die Verlegung der Zentralwerkstätte vom Seefeld nach Altstetten geplant und auch die nötigen Landreserven erworben hat­ten, schaltete sich unser Vorstand ein, um einen grösseren Anteil der vorgesehenen Wohnungen für un­sere Genossenschaft zu erwerben. 

Unsere Bemühungen wurden durch die Übernahme von 128 Wohnun­gen belohnt.  Ein Jahr später gab es mit einem Projekt im Guggach Schwierigkeiten besonderer Art.  Es bestand die Möglichkeit, zwei Mehrfamillienhäuser, eine grosse Werkstatt für die Ange­stellten und Büroräumlichkeiten für die Verwaltung zu erstellen.  Das der General­ver­sammlung vorge­legte Projekt wurde zwar genehmigt, die Bau­bewillgung von den Behör­den aber verweigert, weil die Anstösser in Zusammenarbeit mit unseren eigenen Mitglie­dern gegen verschie­dene Ausnahmebewilligungen, die erforderlich gewesen wären, Ein­sprache erhoben hat­ten.  Trotz der Opposition aus den eigenen Reihen wurde aber dann ein abgeändertes Projekt an der ausserordentlichen General­versammlung vom 20.  Feb­ruar 1959 gutgeheis­sen. 

Der Generalversammlung 1963 konnten gleichzeitig zwei Projekte mit total 43 Wohnungen zur Überbauung von zwei uns vom EWZ im Baurecht zur Verfügung gestellten Parzellen im Albishof und an der Hammerstrasse vorgelegt werden.  Diese Überbauungen be­gründe­ten unsere Beziehungen zum EWZ, mussten wir uns doch verpflichten, die Hälfte der Woh­nungen dem Personal dieser Dienstabteilung zur Verfügung zu stehen.  Am 1. September und am 1. Oktober 1965 konn­ten die beiden Kolonien bezogen werden. 

1966 - 1974, Jahre der grossen Wohnungsnot

Immer mehr stellte sich in diesen Jahren das Problem der unterbesetzten Wohnungen, das sind Wohnungen, die wegen Wegzuges der Kinder oder wegen Todes eines Eltern­teiIs nur noch von einer Person bewohnt werden.  Der Vorstand hatte sich in Anbetracht der gros­sen Nachfrage nach Wohnungen in fast allen sei­nen Sitzungen damit zu befas­sen.  Die wirtschaftliche Vernunft und die persönlichen Wünsche der Mitglieder waren aber nur schwer unter einen Hut zu bringen.  Am Weitlingweg in der Kolonie Entlisberg bot sich dann Gelegenheit, ein Stück brach liegendes Land zwischen den Häusern Weitling­weg und Marchwartstrasse zu überbauen.  Es wurden 1-Zimmer-Alterswohnungen erstellt und gleichzeitig den vielen Hobby­-Gärtnern in der eigenen Kolonie und aus der Umgebung eine Tief­kühlanlage mit 452 Tiefkühlfächern zur Verfügung gestellt.  Die 15 Alterswohnun­gen wurden zum grossen Teil von eigenen Genossen­schaftern bezogen, was zur Frei­stellung grösserer Wohnungen führte.

Erfreulich war der Bezug der Wohnungen in der Kolonie Frohalp in unmittelbarer Nähe der Taubstummenschule des Kantons Zürich mit 39 Wohnungen im freitragenden Woh­nungs­bau im Herbst 1970.  Auch für diese Überbauung wurde uns das Land vom EWZ im Bau­recht abgegeben.  Die dem EWZ laut Baurecht zustehenden Wohnun­gen wurden aber nicht voll beansprucht, deshalb konnten Interessen­ten aus andern Kolonien und Private berücksichtigt werden.  Es mel­deten sich aber nicht allzuviele, denn die Mietzinsdifferenz zwischen ihren bisherigen Wohnungen und denen in der Frohalp war doch ganz erheblich.  

Schon zeichnete sich eine weitere Entwicklung ab.  Wegen der Linienführung der Westtan­gente mussten in der Gegend des Bucheggplatzes grosse bauliche Veränderungen vor­genommen werden.  Auch unsere zwei Häuser an der Bucheggstrasse mussten abgebro­chen werden.  An deren Stelle entstand ein Hochhaus mit 44 Woh­nungen. 

Ein weiterer Neubau, allerdings nur mit sechs Wohnungen, wurde schon ein Jahr später an der Regensberg­strasse an die bestehende Kolonie Oerlikon angebaut. 

Auf Grund eines Beschlusses der Generalversammlung 1962, der Vorstand solle sich auch in der Region um Bauland bemühen, wurde 1963 ein Angebot der Stadt Zürich zur Über­bauung eines Areals in der Rehalp, unmittelbar bei der VBZ-Endstation, auf dem Bo­den der Gemeinde Zollkon, geprüft.  Das war der Anfang einer langen Leidensgeschichte.  Die­ses Projekt stellte zwischen 1963 und 1972 eine grosse Belastung für den Vorstand dar.  Es wurde fast an jeder General­versammlung darüber diskutiert, weil ihm immer wie­der neue, bei­nahe unüberwindliche Hindernisse in den Weg gelegt wurden.  

Diese Verzögerungen führten aber dazu, dass die Überbauung in der Zeit der grössten Bau­teuerung erstellt werden musste, und die Wohnungen erst auf den 1. Oktober 1974 be­zogen werden konnten. 

1975 - 2012

Als der Vorstand dann aber 1982 vernahm, dass durch den Abbruch und Neubau des EWZ-Unterwerkes „Drahtzug“, anschliessend an unsere bestehenden Kolonien Burg­wies, ein Parzelle entstehen soll, die sich für Wohnbauten bestens eignet, war das Inte­resse (wieder) geweckt. Das EWZ nahm unsere Bewerbung mit Wohlwollen entgegen. wünschte aber nicht subventionierte, grosszügige Wohnungen, um gute Steuerzahler von der Goldküste wieder nach Zürich zu locken. 

Es dau­erte aber nicht weniger als 9 Jahre, bis mit dem Bau begonnen werden konnte. Das Stadt­planungsamt mit ständig wechselnden Auflagen, die Denkmalpflege und insbesondere Anstösser mit ihren Einsprachen verzögerten die Realisierung. Die 20 Wohnungen, wovon 15 mit 4½ - 6 Zimmern, konnten 1993 bezogen werden.

Leider mussten wir feststellen, das ein Gebäude der Bauetappe Guggach 2 in einem sehr schlechten Zustand war. Die Sanierungsarbeiten wären uns sehr teuer zu stehen gekommen und daher musste Gebäude an der Grebelackerstrasse im Jahre 2003 durch einen Neubau ersetzt werden (Guggach 6).

Das gleiche Problem mussten bei der Kolonie Entlisberg 1 und 3 festgestellen. Eine Sanierung wäre finanziell nicht dragbar gewesen. Die alten Gebäude wurden durch moderne und grosszügige Neubauten (Entlisberg 4) ersetzt. Die Arbeiten wurden aus organisatorischen Gründen in zwei Bauetappen ausgeführt. Die ersten Wohnungen konnten im Jahre 2007 bezogen werden, die letzten Vermietungen fanden im 2009 statt.

Die Suche nach neuem Bauland ist seit Jahren sehr schwierig. Als Baugenossenschaft können wir keine Fantasiepreise zahlen. Die meisten Besitzer verkaufen ihr Bauland nur noch an den Meistbietenden. Zum Glück gibt es auch Ausnahmen. An der Wehntalerstrasse verfügte die Evang.-reformierte Kirchgemeinde Matthäus eine Liegenschaft, die sie nicht mehr benötigte. Erfreulicherweise konnten wir dieses Land erwerben und im 2007 ein modernes Gebäude mit 8 Wohnungen (Guggach 7) erstellen. 

Dies sind aber nicht die einzigen Neubauten in den letzten Jahren. Im Jahre 2011 konnten wir in der Nähe des Bucheggplatzes acht Gebäude mit insgesamt 78 Wohnungen fertigstellen. Diese Land ist im Besitze der Stadt Zürich und wurde im Baurecht abgegeben. Was so einfach klingt, war aber eine langfristiges Projekt. Schon in den 80-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es die ersten Gespräche betreffend dieses Geländes. Verschiedene Genossenschaften und andere Investoren interessierten sich für das Projekt. Daher waren wir sehr glücklich, als wir erfuhren, dass wir das Gelände überbauen durften. Vor dem Baubeginn gab es zwar noch einige politische Querelen, die aber mit grossen Einsatz von allen Beteiligten aus dem Wege geschafft werden konnten.

Die nächste Bautätigkeit war schon seit ein paar Jahren bekannt. Das gleiche Problem wie im Entlisberg betraf auch die Hohlstrasse. Die Gebäude aus dem Jahre 1931 waren einfach nicht mehr zu retten. Die Kosten der Sanierung wären nicht mehr zu verantworten gewesen. Daher hat die Generalversammlung 2011 zugestimmt, die Bauetappen 1 und 2 durch Neubauten zu ersetzen. Die Bauarbeiten der Hohlstrasse 4 starteten im Frühjahr 2012. 

Wie es in den nächsten Jahren weitergeht, ist schwierig vorauszusagen. Neues Land zu erwerben, wird immer schwieriger, da heute fast nur noch an den Meistbietenden verkauft wird. Die sehr hohen  Landpreise liegen für uns ausser Reichweite. Aber wir denken positiv und vielleicht gibt es Landbesitzer, die den sozialen Wohnungsbau unterstützen wollen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.